1. Erforschen – Verständnis evolutionärer Beziehungen und gemeinsamer Abstammung

1.5 Wie man einen phylogenetischen Baum liest

Phylogenetische Bäume zeigen evolutionäre Beziehungen durch Verzweigungsmuster, die darstellen, wie sich Arten im Laufe der Zeit von gemeinsamen Vorfahren abgespalten haben. Jeder Verzweigungspunkt, oder Knoten, repräsentiert einen gemeinsamen Vorfahren, der von den Organismen geteilt wird, die sich von diesem Punkt aus verzweigen. Arten, die einen jüngeren gemeinsamen Vorfahren teilen, gelten als enger miteinander verwandt als solche, deren gemeinsamer Vorfahr tiefer im Baum liegt.

Die Länge oder Position der Äste zeigt nicht an, dass ein Organismus fortschrittlicher oder „besser entwickelt“ ist als ein anderer. Stattdessen spiegeln die Äste Muster der evolutionären Abspaltung und gemeinsame Geschichte wider. Alle heute lebenden Arten an den Enden der Äste entwickeln sich seit der gleichen Zeitspanne weiter.

Phylogenetische Bäume können in verschiedenen Formaten dargestellt werden—horizontal, vertikal oder radial—ohne dass sich die zugrunde liegenden Beziehungen ändern. Das Drehen oder Umordnen von Ästen verändert die evolutionäre Aussage des Baumes nicht, solange die Reihenfolge der Verzweigungen gleich bleibt. Zu verstehen, wie man diese Bäume korrekt liest, ist entscheidend, um evolutionäre Beziehungen zu interpretieren und um genaue phylogenetische Modelle zu erstellen.

Nachfolgend finden Sie visuelle Beispiele für phylogenetische Bäume, die zeigen, wie evolutionäre Beziehungen zwischen verschiedenen Organismengruppen dargestellt werden:

  1. Beispiel 1: Welche Arten sind enger miteinander verwandt?
    (Quelle: https://www.khanacademy.org/science/ap-biology/natural-selection/phylogeny/a/building-an-evolutionary-tree
    https://www.istockphoto.com/vector/biological-evolution-animals-scheme-gm500509454-80808691
    https://www.khanacademy.org/science/ap-biology/natural-selection/phylogeny/a/phylogenetic-trees
    In diesem phylogenetischen Baum teilen Art A und Art B einen jüngeren gemeinsamen Vorfahren als jede von ihnen mit Art C. Das bedeutet, dass A und B enger miteinander verwandt sind, selbst wenn Art C ähnlich aussieht oder in einer ähnlichen Umgebung lebt.
    Verwandtschaft wird durch gemeinsame Vorfahren bestimmt, nicht durch Aussehen oder Position auf der Seite.
  2. Gleiche Beziehungen, unterschiedliche Baumformen

    (Quelle: https://www.researchgate.net/figure/The-different-parts-of-a-rooted-phylogenetic-tree-showing-the-root-branches-nodes-and_fig1_43022487;
    https://yulab-smu.top/treedata-book/chapter4.html; https://users.ugent.be/~avierstr/principles/phylogeny.html)   
    Diese Bäume sehen unterschiedlich aus (horizontal, vertikal oder radial), aber sie zeigen die gleichen evolutionären Beziehungen. Das Drehen von Ästen oder das Layout verändert die Bedeutung des Baumes nicht, solange die Reihenfolge der Verzweigungen gleich bleibt.
    Die Form des Baumes verändert die evolutionären Beziehungen nicht.
  3. Missverständnis – Evolution ist keine Leiter

    (Quelle: https://www.researchgate.net/figure/Tree-format-translations-for-the-ladders-shown-in-Figs-1a-b-along-with-the-associated_fig3_226685940)

Dieser Vergleich hebt ein häufiges Missverständnis hervor. Die Evolution wird oft fälschlicherweise als Leiter oder lineare Abfolge dargestellt. In Wirklichkeit funktioniert Evolution durch Verzweigungen, bei denen sich mehrere Linien gleichzeitig von gemeinsamen Vorfahren entwickeln.

Alle Arten an den Enden des Baumes sind gleich weit entwickelt.