Von der Natur inspirierte Ansätze sind in vielen Bereichen präsent, darunter Architektur und Stadtplanung, wobei Bionik, Biomimetik und Biomimikry die drei häufig genannten bio-inspirierten Designansätze sind. Als allgemeiner Begriff wurde Bionik 1958 von Jack Steel als Kombination aus Biologie und Technik eingeführt; sie konzentriert sich auf die mechanischen Fähigkeiten der Natur und extrahiert deren physikalische Prinzipien als Inspiration für die Entwicklung eines technischen Designs. Ihre Anwendung kann jedoch zu nicht nachhaltigen Lösungen führen, da sie die Wechselwirkung dieser Lösungen mit der Nachhaltigkeit nicht berücksichtigt (Landrum und Mead, 2022). Währenddessen überträgt die Biomimetik durch Verständnis und Analyse Eigenschaften, Qualitäten und Systeme aus der Natur in die künstliche Umgebung (Urdinola-Serna und diseño, 2018). Der Begriff Biomimetik, der von den Wurzeln bios (Leben) und mimesis (nachahmen) stammt, geht auf das Jahr 1969 zurück und wurde vom Biophysiker und Ingenieur Otto Schmitt geprägt. Er konzentriert sich hauptsächlich auf die Nachahmung der Natur, sowohl in der Anwendung als auch in der Form. Schließlich wurde Biomimikry 1997 von Benyus als die Wissenschaft definiert, die die Modelle der Natur nachahmt. Sie verwendet wiederum einen ökologischen Standard, der die Wechselwirkung mit der Umwelt misst, was sie einen Schritt über die Bionik und Biomimetik hinausführt, indem sie sich um Nachhaltigkeit in ihrer Anwendung sorgt (Landrum und Mead, 2022).

Der Biomimikry-Designprozess folgt typischerweise einer bidirektionalen Methodik, die zwei komplementäre Ansätze umfasst, wie sie von Bader et al. (2021), Chayaamor-Heil (2023) und Urdinola-Serna und Diseño (2018) beschrieben wurden. Der erste ist der problemorientierte Ansatz, bei dem Designer damit beginnen, eine spezifische Designherausforderung oder ein Ziel zu identifizieren. Sobald die Parameter des Problems klar definiert sind, suchen sie in der Natur nach Strategien, die von Pflanzen, Tieren oder Ökosystemen genutzt werden und möglicherweise praktikable Lösungen bieten.

Der zweite ist der lösungsorientierte Ansatz, oft aus den Biowissenschaften. Bei dieser Methode beginnen Forscher oder wissenschaftlich informierte Designer mit dem Studium biologischer Systeme oder Verhaltensweisen, die interessante oder effektive Funktionen aufweisen. Diese natürlichen Strategien werden dann auf ihre potenzielle Relevanz für menschliche Designprobleme analysiert, sodass biologische Erkenntnisse die Entwicklung innovativer architektonischer oder ingenieurtechnischer Lösungen leiten können.

Zusammen spiegeln diese beiden Ansätze den interdisziplinären Charakter der Biomimikry wider, indem sie es ermöglichen, dass sich Designprobleme und biologisches Wissen in einem kontinuierlichen, iterativen Prozess gegenseitig beeinflussen.